Der Deutsche Orden im Burzenland (1211-1225) – Vorbereitungstagung der Burzenländer Heimatortsgemeinschaften auf den 800. Jahrestag der Ordensniederlassung in Siebenbürgen vom 29. bis 31. Oktober 2010 in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen
Zwei Jubiläen in der Geschichte des Deutschen Ordens, die Schlacht bei Tannenberg vor 600 Jahren (1410) und die Verleihung des in Siebenbürgen gelegenen Burzenlandes (1211) an den Orden, sind Anlaß, sich eingehend mit den damaligen Ereignissen fachkundig zu beschäftigen. Im Seminar soll der Geschichte des Ordens sowie die Rezeption in den nationalen Historiographien nachgegangen werden. Für das siebenbürgische Jubiläumsjahr sollen Aktivitäten in Rumänien und Deutschland geplant und koordiniert werden. 1211 erhielt der Deutsche Orden unter dem Hochmeister Hermann von Salza vom ungarischen König Andreas II. ein Territorium, das im Osten Siebenbürgens gelegene Burzenland, mit dem Auftrag, das Reich gegen die heidnischen Kumanen zu schützen und für die Besiedlung des ihm übergebenen Gebietes zu sorgen. Zu den Rechten des Ordens gehörten die rechtliche Autonomie und die eigenständige Verwaltung der königlichen Münze. Der Orden errichtete im Burzenland rund ein Dutzend Burgen und Ortschaften, darunter eine erste Marienburg. Da er vermutlich eine kirchliche Verselbständigung seines Gebiets anstrebte, ging Andreas II. mit Hilfe des Adels militärisch dagegen vor und vertrieb ihn aus dem Burzenland. Im Andreanischen Freibrief bestätigte der ungarische König 1224 die korporativen Rechte der Sachsen nunmehr auch auf dem Gebiet des Burzenlandes. Diese Region mit dem Zentralort Kronstadt entwickelte sich zum wirtschaftlich prosperierendsten Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen. 1410 wird des 600. Jahrestages der Schlacht von Tannenberg/Grunwald/Zalgiris in Ostpreußen zwischen der Streitmacht des Ordens und polnisch-litauischen Heeren gedacht. Neben der Ereignisgeschichte wird das Nachleben dieser Ereignisse in den nationalen Mythen, Ideologien, literarischen Werken, in den Geschichtsschreibungen untersucht. Die abenteuerlichsten Umformungen erlebte „Tannenberg“ im 20. Jahrhundert. Zunächst knüpfte das Deutsche Reich an den Mythos an: Unter Hindenburg hatten die kaiserlichen Truppen 1914 die nach Ostpreußen eingefallenen Russen zurückschlagen können, just bei Tannenberg, was später, auch von den Nationalsozialisten, als Revanche für 1410 gedeutet wurde. Im Kalten Krieg schließlich avancierten die Kreuzritter in der Propaganda des kommunistischen Polen zu Vertretern des westlichen Imperialismus; während die mittelalterliche Schlacht zum Symbol der Einheit der Slawen und des bewaffneten Befreiungskampfes wurde.
Als Referenten konnten gewonnen werden: Prof. Dr. Dr. h.c. Udo Arnold, Bonn: Eine kurze Geschichte des Deutschen Ordens und Zur Rezeption der Ordensgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert: Die Schlacht bei Tannenberg/Grunwald 1410 als politisches Symbol; Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Harald Zimmermann, Tübingen: Historische Quellen zur Ordengeschichte in Siebenbürgen und deren Deutung; Dr. Harald Roth, Deutsches Kulturforum Potsdam: Das Burzenland im Blickpunkt europäischen Geschehen. Balduin Herter, Mosbach: Neuere Erkenntnisse über die Schwarzburg (Zeiden/Codlea/Feketehalom). Des weiteren ist ein Besuch des Deutschordensmuseums in Münnerstadt vorgesehen. Die Burzenländer Heimatortsgemeinden, Vertreter der deutschen Minderheit in Rumänien sowie der Kommunalpolitik werden in Arbeitsgemeinschaften über geplante Veranstaltungen 2011 im Burzenland beraten. Außerdem wird der Schriftsteller Hans Bergel, Gröbenzell aus seinen Werken lesen.
Die Kosten für die Teilnahme an dem Wochenendseminar betragen bei Unterbringung im Doppelzimmer 60 € (für Studierende 20 €) und beinhalten Programmkosten, Unterkunft und Verpflegung zuzüglich 3,30 € Kurtaxe und ggf. Einzelzimmer-Zuschlag an. Teilnehmer aus Ostmitteleuropa können mit Reisekostenzuschüssen rechnen. Auf Anforderung erhalten Sie ein detailliertes Programm des Seminars.
Anmeldungen (mittels Formular) und Anfragen sind bis zum 15. Oktober 2010 zu richten an Gustav Binder, „Der Heiligenhof“, Alte Euerdorfer Str. 1, 97688 Bad Kissingen, Tel. 0971-714 714, Fax: 0971-714 747 oder E-Mail: studienleiter@heiligenhof.de
Programm
| Freitag, 29.10.2010 | ||
| Anreise bis 18.00 Uhr | ||
| 18.00 Uhr | Abendessen | |
| 19.00 Uhr | Begrüßung und Vorstellungsrunde, Einführung in das Programm | |
| 20.00 Uhr | Lesung: Landschaft, die mich erfand: Das Burzenland | Dr. h.c. Hans Bergel, Gröbenzell |
| Samstag, 30.10.2010 | ||
| 08.15 Uhr | Frühstück | |
| 09.00 Uhr |
Eine kurze Geschichte des Deutschen Ordens anschl. Diskussion |
Prof. Dr. Dr. h.c. Udo Arnold, Bonn |
| 10.45 Uhr |
Historische Quellen zur Ordengeschichte in Siebenbürgen und deren Deutung anschl. Diskussion |
Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Harald Zimmermann, Tübingen |
| 12.30 Uhr | Mittagessen, anschl. Kaffee | |
| 14.00 Uhr |
Das Burzenland im Blickpunkt europäischen Geschehens anschl. Diskussion |
Dr. Harald Roth, Deutsches Kulturforum Potsdam |
| 15.30 Uhr | Besuch des Deutschordensmuseums in Münnerstadt | |
| 18.00 Uhr | Abendessen | |
| 19.00 Uhr | Arbeitsberichte der Burzenländer Heimatortsgemeinden, von Vertretern der deutschen Minderheit in Rumänien sowie der Kommunalpolitik über geplante Veranstaltungen 2011 im Burzenland | |
| Sonntag, 30.10.2010 | ||
| 08.15 Uhr | Frühstück | |
| 09.00 Uhr | Neuere Erkenntnisse über die Schwarzburg (Zeiden/Codlea/Feketehalom) | Balduin Herter, Mosbach |
| 10.30 Uhr |
Zur Rezeption der Ordensgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert: Die Schlacht bei Tannenberg/Grunwald 1410 als politisches Symbol. anschl. Diskussion |
Prof. Dr. Dr. h.c. Udo Arnold, Bonn |
| 12.00 Uhr | Abschlußdiskussion, Resümee, evtl. Planung von Fortsetzungstagungen | |
| 12.30 Uhr |
Mittagessen anschl. Abreise |