220 Burzenländer – davon 65 Musikanten – trafen sich Anfang November 2013 in Friedrichroda/Thüringen zu ihrer dritten Begegnung.

Die Anmeldungen liefen schleppend, einen guten Monat vor dem Termin hatten gerademal 80 Personen ihre ernsthafte Absicht bekundet, an diesem musikalischen Wochenende der Burzenländer teilzunehmen. Ein Zustand, der selbst einer so erfahrenen Organisatorin wie Renate Götz aus Neustadt den Schweiß auf die Stirn trieb. Nicht umsonst appellierte Initiator und Mitorganisator Klaus Oyntzen aus Weidenbach an die Teilnehmer, es beim nächsten Mal nicht so spannend zu machen und sich rechtzeitig anzumelden.

Denn im Grunde bereut es keiner, dabei gewesen zu sein, wenn er sich erstmal überwunden hat und die lange Fahrt bis in den Thüringer Wald hinter sich gebracht hat. Die Musikanten spielen mit einer Begeisterung, als ob sie auf diesen Tag schon seit einer Ewigkeit gewartet hätten, und ihre Fans – zumindest eine ganze Menge davon – kriegen eine Gänsehaut, wenn die wohlbekannten Stücke erklingen, die sie jahre- teilweise jahrzehntelang begleiteten.

Der Ablauf ist eigentlich schnell erzählt, denn es gab Blasmusik, Blasmusik und wieder Blasmusik. Und wer unsere Sachsen kennt, weiß, dass – sobald die Musik erklingt – sich auch schnell die Tanzfläche füllt. Dennoch sollten ein paar Details nicht unerwähnt bleiben. An Allerheiligen (Freitgnachmittag) eröffnete Klaus Oyntzen bei Kaffee und Kuchen die Veranstaltung. Zwei Riesenkühlschränke waren randvoll mit Kuchen gefüllt – auf die sächsische Frau ist eben Verlass (ich entschuldige mich bei den emanzipierten Männern, die eventuell ebenfalls gebacken haben, üblich war es zumindest früher nicht). Der Weidenbächer HOG-Vorsitzende, der auch als einer der Väter dieses Treffens gilt, zog eine positive Bilanz der ersten beiden Veranstaltungen und freute sich darüber, dass zum einen die Teilnehmerzahl des vorigen Treffens wieder erreicht werden konnte und dass das ehrgeizige Ziel, eine Dokumentation des Burzenländer Blasmusiklebens zu erstellen, auf der Zielgeraden ist und wahrscheinlich zum Weihnachtsgeschäft zum Verkauf bereit steht. Oyntzen war nämlich derjenige, der von allen HOGs Text- und Bildmaterial einsammelte und immer wieder den Antreiber spielen musste, damit auch rechtzeitig geliefert wurde.

Die Vorstellung des Buches, von dem erste Ansichtsexemplare im Saal kursierten, erfolgte am zweiten Tag des Treffens durch Karl-Heinz Brenndörfer, Vorsitzender der HOG-Regionalgruppe Burzenland. Als erfahrener Buchautor unterstützte Brenndörfer den Initiator Klaus Oyntzen, legte den Aufbau und Format des Buches fest und arbeitete in enger Abstimmung mit der Weidenbächerin Hilde Müller, die sich um die Gestaltung des Buches kümmerte, um dem Ganzen ein ansprechendes Gesicht zu geben. Die harte Arbeit, das ganze Buch gründlich durchzulesen, die sprachlichen Fehler auszumerzen und auf inhaltliche Ungereimtheiten hinzuweisen, übernahm Renate Kaiser. In ihren kurzen Wortbeiträgen zum Buch wiesen Kaiser und Brenndörfer auf die Bedeutung der Blaskapellen im Leben unserer Landsleute hin. Das Buch kann sich sehen lassen: Auf 315 Seiten mit zahlreichen Schwarz-Weiß -und Farbbildern wird die abwechslungsreiche Geschichte dieser ganz besonderen – ich nenn es mal – sozialen Institution in den einzelnen Burzenländer Gemeinden dokumentiert.

Vor allem aber wurde an diesem Wochenende musiziert. Gleich Freitagnachmittag spielten die Wolkendörfer Musikanten auf, gefolgt von der Heldsdörfer Kapelle. Diese beiden Formationen waren alleine spielfähig, wenn auch mit einigen Aushilfen. Obwohl die Wolkendörfer erst vor wenigen Wochen ihr Treffen in Friedrichroda hatten, bildeten sie die stärkste Gruppe. Bei den Heldsdörfern fiel auf, dass sie auch einige junge Spieler in der Kapelle hatten, der Jüngste war der 13jährige Jakob Depner.

Als dritte Formation waren die „Zusammengewürfelten“ dran. Auch hier eine Anmerkung: Ohne eine Minute gemeinsam geprobt zu haben, klang das Ganze in den Ohren der wohlwollenden Anhänger sehr erfrischend. Beim letzten Treffen vor drei Jahren wurden zwei Burzenländer Notenbücher herausgebracht, die nun eine gute Grundlage bilden, damit immer wieder auch gemischte Kapellen auftreten oder sich gegenseitig mit Personal aushelfen können. Mit kurzen Unterbrechungen wurde bis nach Mitternacht musiziert und fleißig getanzt. Nach den Bläsern wurde im kleinen Kreis noch weiter aufgespielt und gesungen bis spät in die Nacht hinein.

Samstagvormittag traten alle Musikanten im weißen Hemd zum gemeinsamen Konzert an. Es war ein beeindruckendes Bild, das sicherlich dem einen oder anderen auch emotional nahe ging. Den letzten Auftritt absolvierten die Musiker am Nachmittag. Den Abend bestritt die Band Silver Stars, die mit einem vielfältigen Repertoire alle auf die Tanzfläche lockte.

Sonntagvormittag holten die Organisatoren in einer öffentlichen Umfrage noch ein Stimmungsbild ein. Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen: Bevorzugt wird ein nächstes Treffen in rund zweieinhalb Jahren, also im Frühjahr 2016. Angestrebt wird, auf dem Oktoberfest 2014 oder 2016 als Burzenländer Kapelle und Trachtengruppe mitzumachen. Die Anmeldung läuft. Die Zeit für ein großes siebenbürgisches Blasmusiktreffen scheint noch nicht reif, allerdings könnte man sich eine Gastkapelle vorstellen. Zudem steht es jedem frei, interessierte Musiker zu diesem Treffen einzuladen. Mit dem Burzenlandlied von Rudi Klusch ging ein intensives und schönes Wochenende zu Ende.

Hans Königes

Eine Bildergalerie dieses Treffens findet man hier. Die 67 Fotos wurden freundlicherweise von Hanni Franz bereitgestellt.