Vertreter der Burzenlšnder Heimatortsgemeinschaften reisten zum 21. Sachsentreffen nach Kronstadt

Bild: Steffen Schlandt Burzenländer Wappen an der Fassade des Honterusgebäudes


Das Jubiläumsjahr 2011 – es markiert 800 Jahre seit der ersten urkundlichen Erwähnung des Burzenlandes – war neben vielen anderen Veranstaltungen durch zwei Großereignisse gekennzeichnet: den 61. Heimattag zu Pfingsten in Dinkelsbühl und das 21. Sachsentreffen in Kronstadt. Bei diesen Veranstaltungen arbeitete die HOG-Regionalgruppe Burzenland eng mit den Organisationen unserer Landsleute im Burzenland zusammen. Nachdem der Jugendbachchor Kronstadt und Wolfgang Wittstock, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt, aktiv ins Programm des Heimattages eingebunden waren, war es selbstverständlich, dass die HOG-Regionalgruppe Burzenland am Sachsentreffen ebenfalls mitwirkt. Die Burzenländer Heimatortsgemeinschaften wollten dabei ein Zeichen setzen, dass sie sich weiterhin verantwortlich für das gemeinsame siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe und für ihre ehemaligen Nachbarn fühlen.

Bild: Renate Brenndörfer Burzenländer Musikanten

Eine von langer Hand geplante Busreise führte die Ortsvertreter vom 14.-23. September 2011 zu vielen Veranstaltungen am Rande des Sachsentreffens, zu Gesprächen mit den dortigen sächsischen Vertretern und zu Dokumentationsfahrten ins Burzenland und Repser Land. Die Gruppe war im Erholungsheim der Landeskirche in Wolkendorf untergebracht.

Zum Auftakt nahmen die Reisenden am 16. September an der Tagung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde zum Thema „800 Jahre Deutscher Orden im Burzenland“ in der Redoute in Kronstadt teil. Der Tag endete mit einem Empfang des Bürgermeisters George Scripcaru, wobei Dr. Paul Philippi, Dr. Harald Roth und Eckart Schlandt als Ehrenbürger der Stadt Kronstadt ausgezeichnet wurden.

Der große Tag des 21. Sachsentreffens, der 17. September, begann mit einem Empfang beim Sitz des Kronstädter Kreisforums. Als deren Ehrengäste trafen die Vertreter der Heimatortsgemeinschaften mit hochrangigen Gästen aus Deutschland und Österreich sowie Lokalpolitikern zusammen. Geschlossen ging es zum Gottesdienst in die Schwarze Kirche. Ein festlich geschmückter Honterushof empfing bei herrlichem Wetter die zahlreichen Gäste. Die Burzenländer Blaskapelle und die aus Deutschland angereiste Vereinigte Burzenländer Kapelle unter Klaus Knorr sorgten hier für feierliche Stimmung. Die blau-roten Fahnen an der Schwarzen Kirche und Honterusschule, sowie die Wappen der Burzenländer Gemeinden an der Fassade des Honteruslyzeums boten eine erhabene Kulisse.

In der Schwarzen Kirche begrüßte der Kronstädter Stadtpfarrer und Bezirksdechant Christian Plajer die Festgottesdienstbesucher. Bischof Reinhart Guib betonte in seiner Predigt, dass Kronstadt nicht nur die „Wiege der Reformation in Siebenbürgen“ sei, sondern auch die „Hauptstadt des Burzenlandes“, dessen 800. Jubiläum heuer gefeiert werde.

Bild: Steffen Schlandt Gottesdienst in der Schwarzen Kirche

Nach dem Gottesdienst formierte sich am Kirchhof der Trachtenzug, angeführt von der Burzenländer und Bistritzer Blaskapelle, gefolgt von aus ganz Siebenbürgen angereisten Tanzgruppen, der Vereinigten Burzenländer Blaskapelle aus Deutschland, einem gebockelten Brautpaar der HOG Nußbach, den von der Saxonia-Stiftung angefertigten Wappenschildern der Burzenländer Ortschaften, getragen von je einem HOG-Repräsentanten. Diesen schlossen sich zahlreiche aus Siebenbürgen und Deutschland angereiste Landsleute in ihren prächtigen Trachten an. Zu den Klängen der Blaskapellen fand der Aufmarsch der Tanzgruppen statt und die restlichen Trachtenträger bezogen im Karree auf dem Marktplatz Stellung.

Punkt zwölf Uhr verstummten alle. Nach dem Glockenschlag vom Rathausturm, den Kanonensalven von der Warthe und dem Musiksignal der Turmbläser erklang das Siebenbürgenlied, gesungen aus Tausenden von Kehlen. Es war der Höhepunkt dieses historisch einmaligen Festzuges. Zu den Klängen der Blaskapellen setzte sich der Trachtenzug über Rossmarkt, Beethovenzeile durchs Waisenhausgässer Tor zum Sportplatz der Sportschule in Bewegung, wo das Festzelt die rund 3 000 Gäste kaum fassen konnte. Begrüßt wurden sie von Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Siebenbürgenforums. Von deutscher Seite übermittelten Grußbotschaften: Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, der auch die Grüße von Bundeskanzlerin Angela Merkel überbrachte, Hessens Landtagspräsident Norbert Kartmann und Botschafter Andreas von Mettenheim. Die Kronstädter Lokalbehörden waren durch Kreispräfekt Ion Gonţea, Kreisratsvorsitzenden Aristotel Căncescu und Bürgermeister George Scripcaru vertreten. Seitens der Siebenbürger Sachsen aus Deutschland übermittelten Grußbotschaften: Rainer Lehni, Stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Michael Konnerth, Vorsitzender des HOG-Verbandes, und Karl-Heinz Brenndörfer (Wortlaut in deutscher und rumänischer Sprache), Vorsitzender der HOG-Regionalgruppe Burzenland. Weitere Grüße übermittelten Dr. Jürgen Heissel von der österreichischen Botschaft, Manfred Schuller, Stellvertretender Bundesobmann des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Wilhelm Spielhaupter seitens des Vereins für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) und Dr. Klaus Fabritius (Bukarest) seitens der anderen Regionalforen der Deutschen in Rumänien.

Das Kulturprogramm auf der Bühne des Festzeltes wurden vom Jugendensemble „Canzonetta“ (Leitung: Ingeborg Acker) eingeleitet. Es folgten Darbietungen der Blaskapellen und Tanzgruppen aus allen Teilen Siebenbürgens.

Bild: Steffen Schlandt So volll war der Marktplatz schon lange nicht mehr!

Parallel dazu fand eine Festveranstaltung im Redoute-Saal statt. Hansgeorg von Killyen, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Kronstadt, hielt eine vielbeachtete Festrede zum Motto des Sachsentreffens. Erwin Hellmann, Altkurator der Honterusgemeinde und ehemaliger Bezirkskirchenkurator, wurde mit der Honterusmedaille des Siebenbürgenforums ausgezeichnet. Ein besonderer Höhepunkt war die Präsentation der deutsch-rumänischen Gemeinschaftsbriefmarke „Kirchenburg Birthälm“. Der Jugendbachchor unter Steffen Schlandt umrahmte die Veranstaltung musikalisch mit Liedern aus dem Burzenland.

Bild: Ortwin Götz Im Altenheim Blumenau

Am Sonntag besichtigten die Ortsvertreter die Kirchenburg in Honigberg und nahmen am Gottesdienst teil, gestaltet von Pfarrer Kurt Boltres (Wortlaut Begrüßung und Predigt) sowie den Bläsern und Sängern der aus Deutschland angereisten Blaskapelle. Das Mittagessen im Gemeindesaal erinnerte an die Hochzeiten, die hier früher gefeiert wurden. Die Zeit eilte: Die Orgelbauwerkstatt konnte von einer kleinen Gruppe kaum besichtigt werden, und schon musste man nach Weidenbach aufbrechen. In der dortigen Kirche bot das „Canzonetta“-Ensemble ein Konzert, im Burghof spielte erneut unsere Blaskapelle. Beim Abendessen in einem nahe gelegenem Restaurant wurden wir mit einem Varieté-Programm überrascht.

Der Montag stand im Zeichen des Dialogs mit sächsischen Vertretern des Burzenlandes. Ortwin Hellmann, Bezirkskirchenkurator, empfing uns im Altenheim Blumenau zu Gesprächen mit Bezirksdechant Christian Plajer und den Kuratoren der Kirchengemeinden. Die ausgezeichneten Beziehungen, welche die Heimatortsgemeinschaften zu ihren jeweiligen Gemeinden pflegen, wurden durch diesen Informationsaustausch fortgesetzt und vertieft.

Bild: Ortwin Götz Beim Forum in Kronstadt

Am Nachmittag wurden die HOG-Vertreter beim Sitz des Kronstädter Kreisforums von Wolfgang Wittstock und anderen Vorstandsmitgliedern begrüßt. Auch hier konnte man an einen regen Erfahrungsaustausch anknüpfen, den das Forum und die HOG-Regionalgruppe Burzenland seit Jahren pflegen. Wittstock informierte über aktuelle Probleme des Forums und dankte herzlich für die Teilnahme am Sachsentreffen. Karl-Heinz Brenndörfer berichtete über die Aktivitäten im ereignisreichen Jahr 2011 und ging auch auf die gegenwärtige Problematik der HOGs ein.

Am Dienstag wurden die Törzburg und das Reservat Königstein besichtigt. Die Pension „Vila Hermani“ des Wolkendorfers Hermann Kurmes bot einen einmaligen Ausblick auf den Königstein, Butschetsch sowie die Streusiedlungen Peştera und Măgura. Unsere mitgereisten Musikanten Günther Schmidts und Arnold Römer, unterstützt vom Zeidner Organisten Klaus Dieter Untch, ließen den Tag bei herrlichem Wetter wie im Fluge verstreichen.

Bild: Renate Brenndörfer Wohnanlage der Peter Maffay-Stiftung in Radeln

Am 21. September, dem letzten Tag der Dokumentationsreise, fuhren wir ins Repser Ländchen. Auf der Hinfahrt stellten wir fest, dass auf der Baustelle des zukünftigen Kronstädter Flughafens bei Weidenbach kaum etwas geschehen ist. In Radeln besichtigten wir das von der Stiftung des Kronstädters Peter Maffay errichtete Heim für traumatisierte Kinder. In Deutsch-Weißkirch, berichtete Caroline Fernolend über die Arbeit der Stiftung Mihai Eminescu-Trust, führte uns durch die Kirchenburg und zeigte uns –von außen – das Anwesen von Prinz Charles. Auf der Rückfahrt wurde ein kurzer Abstecher zur Marienburg gemacht, an deren Fuße gerade ein riesiges Klärwerk gebaut wird. Das zum Großteil aus EU-Geldern finanzierte Werk verschandelt unwiederbringbar das historische Denkmal und empört dadurch viele Siebenbürger Sachsen.

Am Donnerstag, der zur freien Verfügung stand, besichtigten viele Kronstadt. Durch die zahlreich errichteten Umgehungsstraßen wurde der Schwerlasterverkehr aus der Stadt verbannt, die sehr sauber und gepflegt wirkt – wie kaum eine andere in Rumänien. Der historische Stadtkern ist renoviert und mit mehrsprachigen Schildern versehen.

Am Freitag, dem 23. September, traten wir die Rückreise an. Am Betriebshof der Firma Pletl in Lippau bei Arad verließ uns der Fahrer Dorel, der uns sieben Tage lang sicher begleitet hatte. Drei neue Fahrer brachten uns zügig wieder nach Hause.

Die Reise zum Sachsentreffen hat uns durch zahlreiche Begegnungen, Gespräche und Eindrücke bereichert. Sie ist eine Anregung für uns alle, uns weiterhin für das Burzenland einzusetzen.

Karl-Heinz Brenndörfer

Weitere Bilder vom Treffen sehen Sie hier und auf der Honigberger Webseite