DFDKK-Vorsitzende Wolfgang Wittstock

anlässlich der 20-Jahr-Feier des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt

„Beachtenswerte Tätigkeit im Dienste unserer Landsleute…“

Viele Forumsmitglieder, aber auch Ehrengäste – Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie z.B. Miklos Gantz, Vizebürgermeister von Kronstadt, Thomas Gerlach, deutscher Generalkonsul in Hermannstadt, oder der Kronstädter Dechant und Stadtpfarrer Christian Plajer – nahmen am Festempfang teil, durch den das Demokratische Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt (DFDKK) am 25. Januar d.J. im Festsaal des Vereinssitzes sein 20-jähriges Bestehen gefeiert hat. Die Festansprache, die der DFDKK-Vorsitzende Wolfgang Wittstock bei dieser Gelegenheit hielt, wird im Folgenden wiedergegeben.

Meine Damen und Herren,
herzlich willkommen bei unserer Jubiläumsfeier, die dem 20-jährigen Bestehen des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt gewidmet ist.

Zu dieser Festlichkeit wurden in erster Linie die Forumsmitglieder eingeladen, die Personen, die unserer deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft angehören und ihren Wohnsitz in Kronstadt und im Kreis Kronstadt haben, denn dies ist vor allem ihr Fest, ihre Feier. Wir haben aber auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eingeladen, Vertreter der Ämter und Behörden, mit denen wir in den vergangenen 20 Jahren gut zusammengearbeitet haben. Mit großer Freude und Genugtuung begrüße ich die Anwesenheit von Vertretern der öffentlichen Kommunalverwaltung wie auch der Vertreter der Kronstädter Massenmedien. Ich danke allen, die unserer Einladung Folge geleistet haben und mit uns unser Jubiläum feiern.

Meine Absicht ist, in einer Festansprache unser Forum kurz vorzustellen und daran zu erinnern, wie es vor 20 Jahren gegründet wurde. Das Demokratische Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt ist die Interessenvertretung der rumänischen Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit, die ihren Wohnsitz in den Ortschaften des Kreises Kronstadt haben. Es nimmt zusammen mit den anderen territorialen Gliederungen des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien die spezifischen Anliegen seiner Mitglieder wahr und fördert diese durch eine vielseitige Tätigkeit, durch Maßnahmen im politischen, sozialen, kulturellen, erzieherischen und wirtschaftlichen Bereich, die dem Zweck dienen, den Fortbestand unserer rumäniendeutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft als loyaler Bestandteil der rumänischen Gesellschaft zu sichern.

Wenn wir heute das 20-jährige Bestehen des Deutschen Forums feiern, so ist es sicherlich zunächst unsere Pflicht, in Dankbarkeit zurückzublicken auf jene Ereignisse im Dezember 1989, die uns die Freiheit wiedergegeben haben. Sie bildeten die Voraussetzung dessen, was folgte. Zu den demokratischen Errungenschaften, deren Nutznießer auch die deutsche Minderheit war und ist, würde ich zuallererst das Vereinigungsrecht erwähnen, das in der 1991 angenommenen rumänischen Verfassung festgeschrieben ist. Ohne dieses Recht würde das Deutsche Forum nicht existieren, und wir hätten nicht, was wir feiern sollen.

Wie kam es zur Gründung des Deutschen Forums? Der Beschluss, eine Organisation zu gründen, die sich für die spezifischen Anliegen der deutschen Minderheit einsetzen soll, wurde bereits am 28. Dezember 1989 in Schäßburg gefasst. Hier trafen sich siebenbürgisch-sächsischen Intellektuelle - Pfarrer, Lehrkräfte, Journalisten - aus mehreren Ortschaften Siebenbürgens. Anlässlich dieser Begegnung wurde die Empfehlung ausgesprochen, in allen Ortschaften des Landes, in denen die Zahl der Deutschen beträchtlich ist, Initiativkomitees der zukünftigen Interessenvertretung zu gründen. In Kronstadt fanden die ersten Aussprachen, die zur Gründung des Deutschen Forums führten, am 5. Januar 1990 im Kapitelzimmer des evangelischen Stadtpfarrhauses und drei Tage später, am 8. Januar 1990, in der Aula der Honterusschule statt. Hier wurde ein aus 15 Mitgliedern bestehendes provisorisches Leitungskomitee des Kronstädter Kreisrates des Demokratischen Forums der Rumäniendeutschen, so die damalige Bezeichnung, gewählt. Der erste Vorsitzende des Deutschen Forums Kronstadt, das viele Jahre zugleich als Kreisforum und Ortsforum Kronstadt funktioniert hat, war der Journalist Dieter Drotleff, und in den Jahren 1994-2006 wurde das Deutsche Forum Kronstadt von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dieter Simon geleitet. Hier möchte ich auch an den ersten Geschäftsführer unseres Forums erinnern, an Georg Bauer, ehemaliger politischer Häftling, der uns leider viel zu früh, im Jahr 2005, verlassen hat.

Anfangs wurde das Deutsche Forum Kronstadt von der Redaktion der „Karpatenrundschau“ in der Goldschmiedgasse/Sadoveanu-Straße beherbergt. Hier fanden die Vorstandssitzungen statt, hierher kamen unsere Landsleute, um sich ins Forum einzuschreiben und den Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. Dank der Unterstützung und des Wohlwollens der Honterusgemeinde konnte im Juni 1992 der Forumssitz eingeweiht werden, wo wir uns heute befinden. Hier befand sich bis zur kommunistischen Schulreform von 1948 die Obervorstädter evangelische Volksschule, und in der kommunistischen Zeit hatte hier das Kino-Unternehmen seinen Sitz.

Seit dem Jahr 1999 hat das Deutsche Forum Kronstadt den Status einer juristischen Person und ist als solche im Vereinsregister eingetragen. Im Jahr 2006 wurde die Gründung eines separaten Deutschen Ortsforums Kronstadt beschlossen. Die Beziehungen zwischen diesen beiden Forumsstrukturen funktionieren m.E. optimal.

Die Erfahrungen, die unsere deutsche Sprach- und Kulturgemeinschaft im Laufe der vergangenen 20 Jahre machen musste, waren äußerst vielschichtig. Zu Beginn der 90er Jahre fand jene massive Auswanderung unserer Landsleute statt, die den Ruin der meisten traditionellen sächsischen Dorfgemeinschaften zur Folge hatte. Trotz dieser schwierigen Bedingungen konnten wir wichtige Probleme, die auf uns zukamen, in den Griff bekommen, konnten eine beachtenswerte Tätigkeit im Dienste unserer Landsleute entfalten, konnten unsere deutschen Schulen und Kulturinstitutionen sowie die wichtigen künstlerisch-kulturellen Ensembles der deutschen Minderheit unterstützen. Das geschah auf Grund maßgeblicher Hilfeleistung seitens der zuständigen rumänischen und deutschen Regierungsstellen, die durch die im Jahr 1992 erfolgte Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Bunderepublik Deutschland und Rumänien über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa Verantwortung übernahmen für die Schaffung von Bedingungen, die den Fortbestand der deutschen Minderheit in Rumänien gewährleisten sollten. „Die Vertragsparteien“ – ich zitiere aus dem damals unterzeichneten und in der Folge von den Parlamenten beider Staaten unterzeichneten Vertrag – „vereinbaren Programme mit konkreten Maßnahmen, um unter den gewandelten Bedingungen in Rumänien den Bestand der deutschen Minderheit zu sichern und sie bei der Neugestaltung ihres gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens zu unterstützen.“

Die Gründung des Deutschen Forums an der Jahreswende 1989/1990 entsprang dem Bestreben, an die reichen Traditionen der Selbstvertretung im öffentlichen Leben durch demokratisch gewählte Repräsentanten, auf die die Rumäniendeutschen und in erster Linie die Siebenbürger Sachsen zurückblicken können, wieder anzuknüpfen. So entstand, nach einem halben Jahrhundert Diktatur, die erste und einzige politische Organisation der Rumäniendeutschen mit demokratischem Fundament und demokratischem Charakter. Es stimmt, dass unser Deutsches Forum Kronstadt auf politischem Gebiet bei weitem nicht so erfolgreich war und ist wie z.B. das Deutsche Forum in Hermannstadt, ein Phänomen, das als Johannis-Effekt bezeichnet wird. Trotzdem erinnern wir daran, dass das Deutsche Forum auch gegenwärtig im Kreis Kronstadt in einigen Munizipal-, Stadt- und Gemeinderäten auf den Listen des Forums gewählte Vertreter hat sowie dass es Zeiten gab, in denen das Deutsche Forum mit gewählten Vertretern im Munizipalrat Kronstadt und im Kreisrat Kronstadt vertreten war. Gegenwärtig, im Bewusstsein der bescheidenen politischen Kraft, über die wir verfügen, begreifen wir uns eher als Teil der zivilen Gesellschaft, als eine eigenständige Stimme derselben. Wir wirken in diesem Sinne und freuen uns, dass wir in dieser Eigenschaft in letzter Zeit mit den Behörden der öffentlichen Kommunalverwaltung, mit den Bürgermeistern und den Stadt- und Gemeinderäten im Kreis und auch mit dem Kreisrat Kronstadt selbst gut zusammengearbeitet haben.

Nächstes Jahr, 2011, werden wir 800 Jahre seit der Berufung des Deutschen Ordens ins Burzenland feiern. In den mehr als 800 Jahren Burzenländer sächsischer Geschichte haben unsere Vorfahren einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung dieser Landstriche erbracht. Es ist uns nicht gleichgültig, was mit diesem reichen geistigen und materiellen Erbe, mit diesen schönen Städten, Marktflecken und Dörfern geschieht, die unsere Ahnen gegründet haben, und u.a. auch aus diesem Grund werden wir auch in Zukunft in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse, die Kronstadt und den Kreis Kronstadt betreffen, unseren Standpunkt vernehmbar zum Ausdruck bringen.

Das Deutsche Forum ist zwar keine politische Partei, aber die politische Organisation der deutschen Minderheit. Als solche vertritt es die Bestrebungen dieser Sprach- und Kulturgemeinschaft, die auf eine Zukunft ausgerichtet sind, in der ein würdiges Dasein in einem freien und demokratischen Rumänien möglich ist, wo das Gesetz respektiert und ehrliche Arbeit geachtet wird und diese die Grundlage für den Wohlstand der Bevölkerung bildet. Wir wünschen uns entsprechende Bedingungen für die Bewahrung und Pflege unserer spezifischen sprachlich-kulturellen Identität und des reichen kulturellen Erbes, das uns unsere Vorfahren hinterlassen haben, wünschen uns aber zugleich, mit der rumänischen Mehrheitsbevölkerung und den anderen Ethnien in Rumänien in Frieden und Eintracht, in guter Nachbarschaft und gegenseitiger Achtung zusammenzuleben.

Ich erhebe mein Glas auf eine gute, schöne Zukunft für alle Bürger unseres Landes, einschließlich der Gemeinschaft der Deutschen in Kronstadt, im Burzenland, im Kreis Kronstadt und in ganz Rumänien! Ich erhebe mein Glas auf die Zukunft des Deutschen Forums Kronstadt! Prosit!