Tartlau (rumänisch Prejmer, ungarisch Prázsmár) ist die östlichste deutsche Siedlung in Siebenbürgen, 18 Kilometer nordöstlich von Kronstadt entfernt, 519 Meter ü.M. Der Hattert umfasst 8.177 Hektar, dazu 3.037 Hektar Wald in der Bodza.

Es wird angenommen, dass der Ort Tartlau um 1212/1213 gegründet worden ist. Tartlau wird am 21. März 1240 erstmals als Marktort erwähnt. In dieser Urkunde wird der Zisterzienser Mönchsorden mit Tartlau und drei weiteren Gemeinden des Burzenlandes durch den ungarischen König Bela IV. belehnt.

Gleich nach der Besiedlung des Burzenlandes (nach 1211) beginnt der Deutsche Ritterorden mit dem Bau der Kreuzkirche, nach dem Vorbild der Kreuzkirche in Jerusalem. Nach der Vertreibung des Ordens wird die Kirche von den Zisterzienser Mönchen und den deutschen Siedlern im Stile der spätstaufischen Gotik des Rheinlandes vollendet.

Bild: Udo Buhn, 2006

Die Kirche zeigt im Grundriss die Form des gleicharmigen Kreuzes. Erst in den Jahren 1512-1515 wird das Längsschiff verlängert, so dass die heutige Form des Grundrisses – die eines ungleicharmigen Kreuzes – entsteht. Im Laufe der Jahrhunderte werden Kirche und Kirchenburg oft renoviert. Der Flügelaltar stammt aus dem Jahre 1450.

Die Wehranlage, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert, wurde dann in der Türkenzeit verstärkt und mit Flankierungstürmen versehen. Die heutige Form erhielt die Wehrmauer im 16./17. Jahrhundert. Der innere Bering hat eine Höhe von 12 bis 14 m, an der Basis ist die Mauer 5 m breit. Im Inneren wurden Getreidekammern in vier Etagen angelegt, in die sich auch die Einwohner bei Gefahr zurückzogen und während Belagerungszeiten wohnten. Der Wehrgang ist ganz überdacht und mit Schießscharten und Pechnasen versehen.

Der königliche Markt Tartlau befindet sich an exponierter Stelle, dem Bodzaer Pass vorgelagert, einem den östlichen Eindringlingen wohlbekannten Einfallstor nach Siebenbürgen. Fünfzigmal wurde Tartlau von Mongolen, Tataren, Türken, Kosaken, Moldauern u. a. zerstört und durch den Fleiß seiner Bewohner immer wieder aufgebaut.

Bild: Udo Buhn, 2006

Bevölkerungsstatistik: Die Seelenzahl der Sachsen erreichte in den 1920-er und 1930-er Jahren ihren Höchststand (ca. 2.300).
- 1510: 230 Hauswirte ≈ 1.100 Seelen
- 1816: 2.128 Deutsche, 943 Rumänen
- 1849: 2.183 Deutsche, 1.163 Rumänen
- 1930: 2.279 Deutsche, 2.211 Rumänen
- 1990: 408 Deutsche
- 1994: 225 Deutsche
- 1998: 176 Deutsche
- 2008: 125 Mitglieder der evangelischen Kirche
- 2015: 106 Mitglieder der evangelischen Kirche bei ca. 8.500 Einwohnern

Bild: Udo Buhn, 2006

Im 19. Jahrhundert werden zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen gebaut: das neue Schulgebäude, Rathaus, Feuerwehrhaus, Schlachthaus. Das Handwerk und die Industrie erleben einen beachtlichen Aufschwung, eine Papierfabrik (Königes/Copony) und Spiritusfabrik (Neustädter) werden in Betrieb genommen. Das Kleingewerbe blüht auf: Tischler, Schuster, Schneider, Wagner, Schlosser, Spengler, Schmiede, Maurer, Zimmerleute, Fleischhauer, Bäcker, Riemer, Weber, Gerber, Zimmermaler, Friseure, Uhrmacher, Kammmacher, Gastwirtschaften, Geschäftsleute.

Es gibt drei Mühlen: die „untere“, mit einem Sägewerk verbundene Kunstmühle, die „mittlere“ Kunstmühle mit Turbinenbetrieb und die „obere“, mit Elektrizitätswerk seit 1913. Dank des quellenreichen Gebiets, in dem Tartlau liegt, wird seit Mitte des 17. Jahrhunderts auch die Forellenzucht betrieben.

Tartlau hatte acht Nachbarschaften, die die Grundlage des sächsischen Zusammenlebens bildeten. Ferner gab es folgende Vereinsgründungen:
- 1826: Musik-Adjuvanten
- 1864: Gustav Adolf Verein
- 1880: Tartlauer Vorschussverein
- 1882: Freiwillige Feuerwehr
- 1884/85: Frauenverein
- 1897: Tartlauer Waisenhaus
- 1908: Sächsischer Tartlauer Gewerbeverein

Tartlau hat heute eine der besterhaltenen Kirchenburgen in Osteuropa. Zwischen 1961-1971 wurde eine staatliche Restaurierung durchgeführt. Im März 1992 übernahm die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung die Patenschaft für die Kirchenburg Tartlau. 1999 wurde die Tartlauer Kirchenburg von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Die Tartlauer in Deutschland

Bild: Udo Buhn, 2006

Im Jahre 1981 wird in Dinkelsbühl die 9. Tartlauer Nachbarschaft gegründet, als Folgeorganisation der ehemals 8 Nachbarschaften in Tartlau. Seit 1982 treffen sich die „Nachbarn“ alle zwei Jahre. Die Zugehörigkeit zur Nachbarschaft ist über eine Familienmitgliedschaft geregelt. Derzeit zählt der Verein ca. 500 Mitglieder. Der Nachbarvater ist der Vorstandsvorsitzende. Der Vorstand besteht aus zehn Mitgliedern.

Nachbarvater ist seit 2014 Volkmar Kirres, der die Nachfolge von Hermann Junesch angetreten hat. Ehrenvorsitzender der 9. Tartlauer Nachbarschaft ist der langjährige ehemalige Nachbarvater Michael Trein (Nachbarvater 1981-2006).

Der Heimatbote der 9. Tartlauer Nachbarschaft, „Das Tartlauer Wort“, erscheint zweimal im Jahr (zu Pfingsten und zu Weihnachten) in einer Auflage von 600 Exemplaren und kommt bei den Lesern sehr gut an.

Für die 9. Tartlauer Nachbarschaft sind das Bewahren und Pflegen von Tradition und Kultur, Chor, Blasmusik und Totenehrung wichtige Elemente, die die Tartlauer verbinden und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. In diesem Sinne lautet das Motto der Tartlauer Treffen: „Die neue Heimat schätzen, die alte nicht vergessen!“

Tartlauer leben heute in weiter Streuung in Deutschland, Rumänien, Österreich, USA, Kanada, Australien, Spanien und Afrika.

Weitere Informationen über Tartlau und die 9. Tartlauer Nachbarschaft entnehmen Sie bitte der Homepage www.tartlau.eu.

Virtueller Spaziergang durch Tartlau.