Kronstadt, rumänisch Braşov, ungarisch Brassó, Kreishauptstadt, 520 – 650 m ü. M., liegt im geographischen Zentrum Rumäniens, im SO Siebenbürgens, am Südrand des Burzenlandes.

Die Innenstadt liegt in einer Talmulde zwischen den Ausläufern des Schulers (1799 m), im Süden und Osten erheben sich die Zinne (960 m), der Schnecken- und der Galgenberg, im NW Raupenberg, Warthe, Schloss- und Mühlberg. Das nach NW hin immer enger werdende Tal, in welchem die Obere Vorstadt liegt, wird von Rattenberg, Goritza, Salomonsfelsen, der Großen Schulerau und dem Hangestein eingefasst. Im NO erstrecken sich Martinsberg und Bartholomä sowie die ehemals bäuerliche Siedlung Biengärten, nach Osten die Blumenau und im SO die Noa (früher Tannenau) und Dârste (früher Walkmühlen).

Die bebaute Fläche Kronstadts umfasst außer den oben genannten alten Ortsteilen auch die nach 1960 entstandenen Industrie- und Wohnviertel Steagul Roşu (heute Astra),Tractorul, Bahnhofszone, Mihai Viteazul (ehemals Külváros) und Valea Cetăţii oder Răcădău (Ragadó, Burggrund).

Rathaus und weißer Turm im Hintergrund

Die Berge um Kronstadt bestehen aus Jurakalk und Kreidekonglomerat, die Burzenländer Ebene ist eine durch Einbruch entstandene und mit Sedimenten aufgefüllte Senke. Klimatisch liegt Kronstadt im Übergangsbereich des feuchten, gemäßigten Klimas zum osteuropäisch-kontinentalen, mit starker reliefbezogener Prägung. Einige Gewässer, früher zahl- und wasserreicher, sind heute in Trinkwasserbecken gefasst. Flora und Fauna um Kronstadt sind geologisch und klimatisch bedingt vielfältig, besonders die Kalk liebenden Pflanzen der Zinne und des Hangesteins. Traditionsreiche naturwissenschaftliche Vereine, insbesondere der Siebenbürger Sachsen, haben Natur und Landschaft intensiv erforscht.

Frühgeschichtliche Funde (z.B. am Schneckenberg) und Ausgrabungen aus dem Frühmittelalter weisen auf Siedlungsansätze am Gesprengberg und in der Oberen Vorstadt vor der deutschen Kolonisation hin. Kronstadt wurde von dem 1211 vom ungarischen König Andreas II. gerufenen Deutschen Ritterorden gegründet. Dieser legte bis zu seiner Ausweisung 1225 zusammen mit den deutschen hospites auf dem späteren Stadtgebiet von Kronstadt drei ursprünglich getrennte Siedlungen an: das ländliche Bartholomä um die 1223 erbaute frühgotische Kirche (älteste Kirche Kronstadts), Martinsberg und Corona, die spätere Innen- und Kernstadt. Ihre erste Siedlung (etwa 500 Einwohner) lag am späteren Marktplatz und Rossmarkt, in deren unmittelbarer Nachbarschaft später die Marienkirche (heute Schwarze Kirche) errichtet wurde.

Die Herkunft des Namens Kron / Corona (1235) / Kronstadt ist ungewiss, die Namen Barasu (1252) / Brasu (1271) / Brasso / Brassow (ursprünglich Bezeichnungen für das ganze Gebiet) / Brassó / Braşov wurden wohl aus den altslawischen / petschenegischen Wörtern für „klares Wasser“ oder „Bach“ abgeleitet bzw. gehen auf den slawischen Namen der Burzen zurück.

Innenstadt

Im 13. und 14. Jh. erweiterte sich Kronstadt durch Gruppierungen nach Zehntschaften (später Nachbarschaften) nach Süden (Waisenhaus- und Obere Burggasse), dann nach Osten und SO (Kloster-, Purzen-, Schwarz- und Untere Burggasse) und umfasste 1375 die ganze Innenstadt mit ihren vier Steuervierteln: Corpus Christi, Portica, Catherinae und Petri. Die gute strategische und verkehrsmäßige Lage am Ausgang von fünf Karpatenpässen, die Verlagerung des Zentrums des Burzenlandes von Marienburg nach Kronstadt, in die Innenstadt, der Freiraum der siebenbürgisch-sächsischen Bürgerschaft und ihr Privilegiat gegenüber den Adligen Siebenbürgens sowie die Machtstellung der eigenen Geistlichkeit führten zum Anwachsen von Kronstadt.

Kronstadt verdankt seinen Aufschwung vor allem dem Handel. Die Verleihung der Stadtprivilegien (1335) durch König Karl Robert, weitere unter Ludwig I. und Sigismund von Luxemburg verliehene Privilegien und Zollbefreiungen ermöglichten trotz verheerender Tatareneinfälle (1241, 1278, 1285, 1345) die Entwicklung von Kronstadt um 1400 zu einer 3.000 Einwohner umfassenden Kaufmanns- und Handwerkerstadt mit über 30 Zünften.

Kronstadt dehnte sich nach SO (Blumenau) und NW in die Obere Vorstadt aus, die 1392 mit vor den Türken zurückweichenden Bulgaren besiedelt wurde. Es entstand das traditionsreiche Viertel Schei (ehemals Belgerei, Bolgárszég) mit seiner orthodoxen Nikolauskirche (1594). 1396, nach dem ersten Türkeneinfall, begann die Errichtung der z.T. dreifachen Steinmauer mit Toren, Türmen und den 30 den Zünften anvertrauten Basteien. Im 15. Jh. wurde Kronstadt trotz türkischer Oberhoheit zu einer der finanzkräftigsten Handelsstädte Südosteuropas mit siebenbürgisch-sächsischen, griechischen und rumänischen Händlern.

Honterusschule

1383 bis ca. 1480 wurde die spätgotische Marienkirche (Schwarze Kirche) als Stadtpfarrkirche erbaut.. Zur kulturellen Blüte im 16. Jh. kam es durch das Wirken von Johannes Honterus, dem Reformator der Siebenbürger Sachsen. Ihm ist die Gründung der später nach ihm benannten Schule zu verdanken, ebenso die erste in diesem Gebiet eingerichtete Druckerei und die Grundsteinlegung zu der beachtlichen Bibliothek. Bis heute wird Honterus als einer der großen Stadtpfarrer von Kronstadt sowie als bedeutender Schulmann und Humanist geehrt.

Auch für die rumänische Kultur ist Kronstadt bedeutsam: Von 1521 stammt die erste erhaltene Urkunde in rumänischer Sprache (Brief des Kaufmanns Neacşu aus Langenau – Câmpulung an den Kronstädter Stadtrichter Johann Benkner) und von 1560-1561 der erste rumänische Druck durch den Diakon Coresi.

Um 1600 waren eine Rezession und Kriege zu verzeichnen (z.B. die verlorene Schlacht des Michael Weiss bei Marienburg 1612). Beim Großbrand von Kronstadt 1689 brannte auch die Stadtpfarrkirche ab – seither wird sie „Schwarze Kirche“ genannt.

Katharinentor

1835 erfolgte die Gründung der Kronstädter Allgemeinen Sparkasse, des ersten Bankinstituts des Landes, ab 1820 die Modernisierung der Fernstraßen, 1854 die Eröffnung des Telegrafenamtes und 1873 bzw. 1879 der Bahnverbindungen nach Wien bzw. Bukarest. 1872 kam es zur Auflösung der Zünfte und zu industriellem Aufschwung, der den Zuzug von Arbeitskräften auch aus den ehemaligen leibeigenen Dörfern nach sich zog. Die Holz- und Papier-, dann die Textil-, später Metall- und Lebensmittelindustrie machten zusehends Fortschritte. Es gab ein intensives sozial-kulturelles Leben mit Vereinen (wie Turn- und Philharmonischer Verein), Zeitungen (1837 Siebenbürgisches Wochenblatt, ab 1849 Kronstädter Zeitung, 1838 Gazeta de Transilvania, 1849 Brassói Lápok), Schulen und Krankenhäusern.

1916 wurde Kronstadt kurzfristig von rumänischen Truppen besetzt und fiel 1918 endgültig an Rumänien. Zu einem weiteren wirtschaftlichen und demographischen Wachstum kam es durch den Zuzug von nichtsächsischer Bevölkerung (1930: 60.000 Einwohner, davon noch 24% Siebenbürger Sachsen). Doch Kunst und Kultur der Siebenbürger Sachsen erlebten erneut eine Blütezeit, in den Bereichen Bildende Kunst, Literatur (Zeitschrift Klingsor) und Musik.

1941 wurde Kronstadt zum Sitz der Deutschen Volksgruppe und im Frühjahr 1944 war es Ziel amerikanischer Bombenangriffe. Im September 1944 erlebte es den Einmarsch der Roten Armee und im Januar 1945 die Deportation arbeitsfähiger Siebenbürger Sachsen in die UdSSR. Von 1950 bis 1960 trug Kronstadt den Namen Stalinstadt. Ab 1960 wurde die Industrialisierung forciert und dadurch kam es zu einer starken rumänischen Zuwanderung, besonders aus der Moldau. 1981 war Kronstadt mit 314.645 Einwohnern (etwa 4.000 Siebenbürger Sachsen) die zweitgrößte rumänische Stadt nach Bukarest. Es entstanden große Industriewerke: das LKW-Werk (früher Waggonfabrik Astra, später Steagul Roşu) mit 25.000 und Tractorul (die frühere Flugzeugfabrik IAR) mit 24.000 Mitarbeitern, Hidromecanica (früher Gebr. Schiel), Textilwerke (früher Scherg und Tellmann) u.a.m.

Kirche Martinsberg

Es erfolgte der Ausbau insbesondere des technischen Schul- und Hochschulwesens (z.B. 1956 Schaffung des Polytechnikums durch Vereinigung des 1948 gegründeten Forstinstituts mit dem 1949 gegründeten Mechanikinstitut, 1971 Gründung der Universität durch Vereinigung des Polytechnikums mit dem Pädagogischen Institut, mit Neubauten am Mühlberg), es kam zu Fortschritten im Bereich der Kultur (Theater, Operette, staatliche Philharmonie, drei Lokalzeitungen und die ab 1957 zweimal wöchentlich erscheinende deutschsprachige Volkszeitung, als Wochenschrift ab 1968 umbenannt in Karpatenrundschau) und dem Tourismus wurde größere Aufmerksamkeit geschenkt (Ausbau der Schulerau, besonders für den Wintersport).

Die länger anhaltende nicht nur materielle Notlage führte 1987 zu schweren politischen Unruhen. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 führten die Folgeerscheinungen dazu, dass der Großteil der Siebenbürger Sachsen das Vertrauen in die korrekte Behandlung der Minderheiten seitens der Regierung verlor. So machten ab diesem Zeitpunkt noch mehr Siebenbürger Sachsen Gebrauch von der Möglichkeit auszuwandern und siedelten mehrheitlich nach Deutschland aus. Gemäß der bisher letzten Volkszählung vom März 2002 leben in Kronstadt neben den 258.000 Rumänen und 23.000 Ungarn gerade noch rund 1.500 Personen deutscher Nationalität.

Der Großteil dieser in der Heimat Verbliebenen hat sich in dem 2005 gegründeten Demokratischen Forum der Deutschen in Kronstadt (DFDK) zusammengeschlossen, nachdem bereits in den Jahren 1989-1990 das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) und jenes des Kreises Kronstadt (DFDKK) gegründet worden waren. Über diese und andere Foren findet ein reger Kontakt zu den ausgewanderten Kronstädtern statt, wobei in Deutschland dem Verband der Siebenbürger Sachsen und den Heimatortsgemeinschaften eine besondere Bedeutung zukommt.

Virtueller Spaziergang durch Kronstadt.